Eine besondere Würdigung

Ein Text von Anne Dorn

deutsche Schriftstellerin und Stammgast im "New Konfuzius"


Das Chinesische Restaurant "New Konfuzius" schaut mit seiner breiten, schön gestalteten Fensterfront Tag und Nacht auf eine der Hauptschlagadern der Stadt, die sechsspurige Nord-Süd-Fahrt. Welcher gute Geist hat den Betreibern des 'New Konfuzius' eingegeben, der vermeintlich lebensnotwendigen Raserei auf der Straße einen Kontrapunkt der Stille und Ruhe in die Flanke zu setzen? Ein einzelner, schön gewachsener, alter Baum steht als Wächter vor dem  Eingang und beschattet den kleinen Parkplatz.


Hat man die klimatisierten Räume betreten, ist man sich sicher, genau solch einen Punkt zum Ausatmen und neu Luftschöpfen gesucht und nun gefunden zu haben. Das Ambiente gefällt schon wegen der sparsam gesetzten Schau-Punkte wie Schnitzereien aus Wurzelholz oder feine, zum genauen Hinschauen verlockende Porzellane auf den Fensterbänken. Auch wenn die Tapetenborden zwischen Wand und Decke gerade mal wieder erneuert und im Ornament verändert ihre Bahn ziehen, nickt man dem Ganzen stillschweigend zu wie Freunden.


In diesem Sinne ist das New Konfuzius immerzu new, so wie etwas Lebendiges sich stillschweigend laufend verändert, eben, weil es lebt. Ob man zum ersten Mal das ständige Rauschen der Schnellstraße hinter sich läßt oder schon Erfahrung mit diesem Schritt von der einen Welt in die andere gemacht hat, man fühlt sich persönlich angenommen.


Die Bedienung läßt den Gast nie lange warten, alle haben ein gutes Gedächtnis, knüpfen – wenn sie um Rat gefragt werden - immer an die in vielen Fällen dann schon erkennbare Geschmacksrichtung des Gastes an. Andererseits setzen sie sich nach Wunsch in der Küche für Variationen jedes Gerichtes ein. Dabei hat man nie den Eindruck, daß ihnen dieses Hin und Her zu viel wäre.


Groß im Zuhören ist vor allem die Wirtin selbst. So ergeben sich – so man will - mit der Zeit interessante, nie oberflächliche Gespräche. Und draußen rast und stürzt die  Weltgeschichte mittels Kölner Nord-Süd-Fahrt weiter von links nach rechts und von rechts nach links dicht am New Konfuzius vorbei. Dem 'Terminal' am Gard du Nord in Paris und der 'Bauernschänke' in Krakau habe ich in meinem Gedichtband 'Wetterleuchten', ohne dass ihre Betreiber etwas davon ahnen, ein Gedicht gewidmet. Das 'New Konfuzius' in Köln muss sich fürs erste mit diesem Stückchen Prosa zufrieden geben. Aber so viel sei zum Abschluss gesagt: Die  S p e i s e n  in diesem Restaurant sind wahrhaftig  immer
e i n  G e d i c h t !


Anne Dorn, im Winter 2012 in Köln